Präventive Erziehungshaltung

Sie als Bezugspersonen können im Alltag viel tun, um ihr Kind zu stärken:

1. Ich bin, wie ich bin

Von Mädchen erwarten viele eher ein höfliches, freundliches Verhalten. Ein lautes freches Mädchen wird schnell „zickig“ genannt. Von Jungen erwarten viele eher ein draufgängerisches Verhalten. Wenn ein Junge weint, wird er schnell als Heulsuse gesehen. Aber laute und freche Mädchen* können eher Nein sagen, z.B. wenn jemand sie gegen ihren Willen anfasst. Und Jungen*, die sich trauen, zu weinen und Gefühle kennen, können sich leichter in der Not Hilfe holen und müssen nicht alles alleine machen.

 

2. Mein Körper gehört mir

Kinder haben ein Recht auf ihre Privatsphäre, z.B. auf Wunsch alleine auf Toilette gehen zu können oder zu duschen. Keine Berührungen gegen den Wunsch des Kindes wie Drücken, Küssen, Streicheln, Kitzeln. – Ausnahmen: Berührungen, um Gefahr zu vermeiden: Hilfe beim Zähneputzen oder kurzes Festhalten in einer gefährlichen Situation (z.B. im Straßenverkehr).

Kinder brauchen Worte für ihre Körperteile. Und sie brauchen eine Wahrnehmung für ihren Körper und ihre Grenzen. Nur so können sie unterscheiden, was sie mögen/nicht mögen und erzählen, was passiert. Das kann es ihnen auch erleichtern, die Grenzen anderer wahrzunehmen und zu respektieren.


3. Ich vertraue meinem Gefühl

Kinder haben ein Recht auf ihre eigenen Gefühle. Es ist wichtig, mit Kindern über ihre Gefühle wie Freude, Trauer, Angst, Ärger zu sprechen. Gut ist auch, wenn Eltern zeigen, dass auch Erwachsene Gefühle haben können wie z.B. Angst. Wichtig ist es, einem Kind nicht die Gefühle „wegzunehmen“, die es zum Ausdruck bringt, indem wir wohlmeinende Sätze sagen, wie z.B. „Du musst doch nicht traurig sein!“ oder „Das tut doch gar nicht weh!“.

 

4. Angenehme und unangenehme Berührungen unterscheiden

Berührungen wie Schmusen, Umarmen, Küssen können etwas sehr Schönes sein. Unangenehm ist es, gegen den eigenen Willen geschmust, umarmt und geküsst zu werden. Kinder sollten ermutigt werden, selbst zu entscheiden, ob sich eine Berührung gut oder nicht gut anfühlt – egal, ob es die Mama, der Onkel, die Oma oder sonst wer ist - und die Erwachsenen sollten die Signale des Kindes respektieren.

 

5. Ich darf Nein sagen und Grenzen setzen

Kinder haben das Recht Nein zu sagen, auch gegenüber älteren Leuten oder Personen, die sie mögen. Nein sagen muss geübt werden, damit sie es auch in Notsituationen sagen können. „Ich möchte das nicht“ „Nein, ich geh nicht mit“, „Mir gefällt das nicht“. Gerade weil es schwer ist Nein zu sagen, sollte die Botschaft an die Kinder lauten: Du darfst Nein sagen und nicht Du musst Nein sagen, letzteres gibt dem Kind sonst die Verantwortung, wenn es ihm nicht gelungen ist eine Grenze zu setzen.

 

6. Schöne und blöde Geheimnisse unterscheiden und darüber reden

Es gibt schöne Geheimnisse (z.B. Geburtstagsüberraschung) und blöde, belastende Geheimnisse (z.B. erpresst werden). Schöne Geheimnisse lösen sich bald auf und machen allen Spaß. Blöde Geheimnisse machen Angst und bedrücken – manchmal ganz lange. Kinder haben das Recht, blöde Geheimnisse zu erzählen. Es ist immer richtig, mit Freund*innen und Erwachsenen darüber zu reden. Das ist kein Petzen.

 

7. Ich darf mir Hilfe holen

Kinder haben das Recht, sich bei anderen Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen Hilfe zu holen. Es ist gut, wenn auch Erwachsene zugeben, dass sie mal Hilfe brauchen.

 

8. Für Geschenke muss man nichts tun

Für Geschenke, die einem Mädchen* oder Jungen* gemacht werden, muss er oder sie keine „Gegenleistungen“ erbringen, egal welcher Art.

 

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