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Sexuelle Gewalt unter SchülerInnen

Obwohl inzwischen viel über allgemeine Gewaltprävention an der Schule geredet und vieles umgesetzt wurde, bleibt das Thema „sexuelle Gewalt durch Gleichaltrige" oft ausgespart. Sexuelle Übergriffe unter Kindern fangen bereits im Kindergartenalter an, setzen sich in der Grundschule fort und existieren auch in den Sek-I- und Sek-II-Schulen.

Bei Kindern geschehen die Übergriffe oft in Form von Spielen, bei denen es zu Berührungen an und mit den Geschlechtsteilen oder zum Einführen von Gegenständen kommt. Um einen Übergriff handelt es sich, wenn ein/e oder mehrere Beteiligte nicht freiwillig und mit Spaß mitmachen, sondern unter mehr oder weniger starkem Druck des/r initiierenden Beteiligten (das Einführen von Gegenständen ist jedoch in jedem Fall tabu!). Sexuelle Übergriffe können auch verbal sein. Bei Kindern entstehen die ersten Übergriffe meist aus der Situation heraus (spontane bzw. Affekthandlung). Manchmal werden diese oder ähnliche Situationen von den übergriffigen Kindern jedoch bewusst immer wieder hergestellt. Dann reichen pädagogische Maßnahmen allein nicht aus. 

Sexuelle Übergriffe und Gewalt bei Jugendlichen fangen bei Bemerkungen über das Aussehen und unangenehmen „Anbaggern" über „Spannen" in der Umkleidekabine und unerwünschte, scheinbar zufällige Berührungen an.
Sie gehen über direkte unerwünschte Berührungen an und mit Scheide, Penis, Po und Brust weiter bis hin zu sexueller Nötigung, Vergewaltigungen und Stalking.

Fachgerechte Intervention

Bei sexuellen Übergriffen unter Kindern bzw. Jugendlichen ist immer eine fachgerechte Intervention erforderlich. Ziele sind dabei der Schutz und die Bewältigung für den/die betroffene Schüler/in auf der einen Seite und die deutliche Bewertung oder Sanktionierung des Verhaltens des/r übergriffigen Schüler/in auf der anderen Seite.

Sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt unter SchülerInnen finden immer in einem ungleichen Machtverhältnis statt (körperliche, intellektuelle, zahlenmäßige etc. Überlegenheit der übergriffigen Kinder), so dass das Prinzip der Freiwilligkeit (wie z.B. bei gegenseitigen „Doktorspielen") aller Beteiligten nicht gegeben ist. Sexuelle Gewalt unter Gleichaltrigen ist daher kein Konfliktfall und darum muss darauf auch anders reagiert werden.


Das Erleben von sexueller Gewalt hat für die betroffenen SchülerInnen immer psychische Folgen bis hin zu traumatischen Auswirkungen. Dies ist auch der Fall, wenn die betroffenen Kinder oder Jugendlichen diese Erfahrungen möglichst schnell vergessen und normal weiterleben wollen. Hier ist eine Fachberatung bei Schattenriss sinnvoll.
Die meisten sexuell übergriffigen Kinder oder Jugendlichen begehen einmalige Grenzverletzungen aus einer Situation heraus. Sie ändern ihr Verhalten, wenn sie von den verantwortlichen Erwachsenen eine klare Orientierung bekommen haben. In diesen Fällen reichen pädagogische Maßnahmen meist aus.

Es gibt aber auch Kinder und Jugendliche, deren Übergriffe nicht spontan aus einer Situation heraus, sondern bewusst und geplant (sog. Täterstrategien) und häufiger stattfinden.

Die Kriminalstatistiken belegen, dass ein großer Teil der verurteilten Sexualstraftäter/innen in ihrer Kindheit und Jugend bereits sexuelle Übergriffe verübt haben.

Um eine weitere „Täterkarriere" zu verhindern sind für übergriffige Kinder und Jugendliche therapeutische Maßnahmen angezeigt, wenn sie bereits „Täterstrategien" ausgebildet haben.

Zur fundierten Einschätzung des Verhaltens eines/r übergriffigen Schüler/in wenden Sie sich bitte an PraksysBremen.

Was tun bei sexuellen Übergriffen unter SchülerInnen?

Wird ein Fall von sexuellen Übergriffen unter SchülerInnen bekannt, ist es trotz der fast immer heftigen Emotionen auf Seiten aller Beteiligten (betroffenen/r Schüler/in, übergriffige/r Schüler/in, Schulpersonal, Eltern, Mitschüler/innen)
und der Fristen durch die Schulaufsicht wichtig, überlegt zu reagieren.

Wichtige Prinzipien dabei sind:

  • Das vorrangige Ziel der Interventionen muss sein, die/den betroffene/n SchülerIn vor erneuten Übergriffen zu schützen bzw. ihr/ihm genügend Unterstützung zur Bewältigung zu geben. Maßnahmen zum Schutz der/s betroffenen SchülerIn/s dürfen nicht in Einschränkungen für sie oder ihn bestehen. Auch ZeugInnen einer Gewalttat können unter dieser Erfahrung sehr leiden und sollten mitberücksichtigt werden.
  • Das zweitwichtigste Ziel ist die Reaktion auf das Verhalten des übergriffigen Kindes bzw. Jugendlichen. Es ist wichtig, dass der/die KlassenlehrerIn eindeutig Stellung bezieht und das entsprechende Verhalten des übergriffigen Kindes oder Jugendlichen (nicht aber die ganze Person) verurteilt. Manchmal ist es sinnvoll,
    eine Anzeige zu erstatten. Die Schule hat jedoch nicht die Pflicht dies zu tun. Weitere wichtige Informationen zur Frage „Anzeigen oder nicht?" finden Sie hier.

  • Ein dritter wichtiger Schritt ist der Einbezug der Eltern. Für alle Schritte gilt: Betroffene und übergriffige SchülerInnen (auch die jeweiligen Eltern) werden nicht gemeinsam befragt bzw. es wird nicht gemeinsam besprochen,
    wie es weitergehen soll (im Ggs. zu Konflikten).

In den vergangenen Jahren ist nach unserer Statistik von Schattenriss ein deutlicher Anstieg von Meldungen von sexueller Gewalt unter Schülern und Schülerinnen zu verzeichnen. Diesen Anstieg führen wir nur zu einem kleinen Teil auf den Anstieg von Gewalt im allgemeinen zurück. Der größere Teil kommt nach unserer Einschätzung dadurch zustande, dass Schulen mehr und mehr bereit sind, bei sexueller Gewalt hinzusehen und zu handeln. Das begrüßen wir sehr!

Bei Schattenriss können Sie eine Fachberatung zur Begleitung
eines sexuellen Gewaltvorfalls erhalten.

Fortbildungsmodul zu sexuellen Übergriffen unter Kindern

Aufbauend auf der Grundlagenfortbildung zu sexuellem Missbrauch bieten wir für Grundschulen ein eintägiges Fortbildungsmodul zu sexuellen Übergriffen unter Kindern an
mit folgendem Inhalt:


  • Grundlagenwissen zur psychosexuellen Entwicklung von Kindern
  • Was ist ein sexueller Übergriff - Unterscheidungsmerkmale zwischen Grenzen austesten und sexuellen Übergriffen
  • Differenzierung von sexuellem Missbrauch durch Erwachsene und sexuellen Übergriffen unter Kindern
  • Prävention sexueller Übergriffe u.a. im Rahmen der Sexualerziehung
  • Fachlicher Umgang mit sexuellen Übergriffen:
  • Maßnahmen und Interventionen für
    - die betroffenen Kinder
    - die übergriffigen Kinder
    - die Eltern
  • Umgang bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch bei den beteiligten Kindern


Bei der Fortbildung wechseln sich Kurzvorträge mit Einzel- und Gruppenarbeit ab.

Der Austausch der TeilnehmerInnen untereinander und das Verabreden
der Umsetzungsmöglichkeiten im Schulalltag sind wesentlicher Bestandteil der Fortbildung.
Die Fortbildung wird in der Regel in Zusammenarbeit mit dem Bremer JungenBüro durchgeführt.

1 Tag à 6 Stunden, für 12 -24 TeilnehmerInnen.

Kosten auf Anfrage

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