Andere Formen von sexueller Gewalt gegen Mädchen

Es gibt auch noch andere Formen
von sexueller Gewalt gegen Mädchen.

Hier kannst du dich über K.o.-Tropfen
und sexuelle Gewalt im Internet

informieren.

K.-O.-Tropfen

Manche Täter oder Täterinnen setzen zur Ausübung

von sexueller Gewalt auch Drogen ein.
Dazu zählt auch Alkohol.

  • K.-o.-Tropfen,
    die auch als Liquid Ecstasy bekannt sind,
    bewirken  eine sehr starke Benommenheit
    und fast immer Erinnerungslücken.
  • Sie werden von Tätern gezielt eingesetzt,
    um Personen "willenlos" zu machen.
    In Bremen sind seit 2004 
    5 Fälle pro Jahr angezeigt und sehr viel mehr Fälle
    in den Beratungsstellen bekannt geworden. 
  • K.-o.-Tropfen sind durchsichtig,
    riechen und schmecken nach nichts, höchstens leicht salzig.
    Sie können unbemerkt in ein Getränk
    gegeben werden und wirken nach 15 - 30 Minuten.
    Je nach Dosis und ob sie mit Alkohol zusammen
    eingenommen werden, bewirken sie
    bessere Stimmung, sexuelle Erregung
    und die Fähigkeit zu stundenlangem Tanzen,
    aber auch motorische Unruhe,
    Sprachstörungen, Kopfschmerzen,
    Übelkeit, Verwirrtheit,
    Herzrasen oder Bewusstlosigkeit,
    im schlimmsten Fall den Tod.
  • Der Wirkstoff (Gamma-Hydroxybuttersäure)
    ist nur bis zu 8 Stunden nach der Einnahme im Blut
    und 12 Stunden im Urin nachweisbar.
    Die labortechnische Untersuchung der Haare ist zwar aufwändig, bringt aber die besten Ergebnisse,
    vor allem wenn die Einnahme länger als 12 Stunden her ist.
  • Der Verkauf von K.o-Tropfen mit dem Wirkstoff GHB
    verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz,
    ist also in Deutschland verboten.
    Aber ACHTUNG:
    Es gibt chemische Vorstufen des Wirkstoffs,
    die sehr ähnlich wirken und die im Handel zu kaufen sind.
  • Die Erfahrung von sexueller Gewalt
    unter dem Einfluss von K.-o.-Tropfen
    ist für betroffene Mädchen sehr belastend.
    Sie haben oft einen Filmriss und
    können sich Verletzungen und blaue Flecke
    nicht erklären.
    Auch hier empfiehlt sich
    eine frauenärztliche Untersuchung (siehe Anzeigen)
    und das Aufsuchen einer Beratungsstelle.
  • Schützen kannst du dich,
    indem du am besten mit mehreren
    dir vertrauten Leuten ausgehst
    und z.B.
    in der Disko oder auf einer großen Party
    auf dein Getränk achtest 
    (und es lieber nicht mehr trinkst,
    wenn du ein komisches Gefühl hast).
  • Wenn dir etwas komisch vorkommt,
    dann ist es immer okay,
    zu gehen (möglichst nicht allein)
Wenn ein Mädchen bei sich oder einer Freundin
die typischen Anzeichen von K.-o.-Tropfen erkennt,
sollte ein Notarzt gerufen werden.

Andere Drogen - auch Alkohol - können ähnliche Wirkungen
wie K.-o.-Tropfen haben.

Der Konsum von Alkohol (oder anderer Drogen)

ist keine Entschuldigung dafür,
an einem Mädchen sexuelle Übergriffe oder Gewalt
auszuüben.

  • Es ist nicht immer einfach,
    die Grenze zwischen Spaß und Ernst zu ziehen.

Im Zweifel hilft dir dein Gefühl,
das zu unterscheiden.

  • Falls du es nicht entscheiden kannst
    (z.B. weil du selber zuviel getrunken hast),
    lass dir von deinen Freundinnen
    und Freunden helfen.
Vorsicht ist geboten, wenn
  • ein Mädchen von mehreren Jungen angebaggert wird
  • der oder die Jugendlichen älter sind als das Mädchen
  • das Mädchen deutlich betrunkener
    als der oder die Jugendliche/n ist.



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Sexuelle Gewalt im Chat


Über 70% aller Mädchen und Jungen
zwischen 10 und 19 Jahren chatten regelmäßig.

Meistens macht das Chatten Spaß:

Reden und Gruscheln mit bekannten und vielleicht auch
neuen FreundInnen,
die Möglichkeit, sich selbst von einer anderen Seite zu zeigen,
im Austausch mit anderen zu sein,
all das macht das Chatten unterhaltsam.

Manchmal kommt es im Chat aber auch zu Kontakten,
die ein Mädchen so gar nicht haben wollte.
Nach einer Studie, bei der 1.700 Schüler und Schülerinnen
zum Chatten befragt wurden, haben
  • 50% der Mädchen schon einmal
    ungewollte sexuelle Anmache erlebt,
    d.h. sie wurden gegen ihren Willen
    nach sexuellen Dingen, ihrem Aussehen,
    ihren sexuellen Erfahrungen befragt
    oder der andere Chatteilnehmer
    hat von seinen sexuellen Erfahrungen
    berichtet.
  • 10% der Mädchen haben schon mal
    pornografische Fotos oder Filme erhalten,
    also Bilder, auf denen Personen
    nackt zu sehen sind und/oder sexuelle Handlungen
    dargestellt werden.

  • 10% der Mädchen wurden auch schon mal
    zu sexuellen Handlungen vor einer Webcam
    aufgefordert.
Obwohl diese Form von sexuellen Übergriffen
"nur" im Netz stattfindet, kann sie schwerwiegende Folgen
für die betroffenen Mädchen und Jungen haben,
genauso wie tatsächlich "live" erlebte Gewalt
(siehe Folgen für die Mädchen)
.
Das kommt daher, dass die Erfahrungen im Netz
als real, als wirklich erlebt werden, so wie es auch tatsächliche Freundschaften im Netz geben kann.
  • Es ist nicht immer leicht,
    sexuelle Übergriffe im Netz sofort zu bemerken.
  • Oft kommt es erst nur zu kleineren Grenzverletzungen.
    Hier kannst du deinem Gefühl vertrauen.
    Wenn du ein komisches Gefühl hast,
    dann versuche das zu klären
    (zeige z.B. deiner Freundin, was dein Chatpartner
    geschrieben hat).
    Suche dir lieber einen neuen Kontakt,
    wenn das komische Gefühl bleibt.

  • Wenn du merkst,
    dass dich die Erfahrungen im Netz belasten,
    dann rede mit jemandem darüber.
    Das kann im Netz sein, oftmals ist es aber besser,
    "live" mit einer Vertrauensperson zu sprechen.

    Du kannst dich natürlich auch
    an Schattenriss wenden.

Es gibt auch die Möglichkeit,
sich mit jemandem, den oder die ein Mädchen
im Chat kennen gelernt hat,
real zu treffen.
Daraus können tolle Freundschaften
und Beziehungen entstehen.

Es kann aber sein,
dass die Person aus dem Chat
im echten Leben ein ganz anderer Mensch ist
(dass er z.B. viel älter ist,
als er im Chat angegeben hat).
Wenn du ein Blind Date haben möchtest,
dann sind folgende Regeln und Vorbereitungen wichtig:

  • Treffpunkt sollte ein öffentlicher Ort sein,
    wo auch noch andere Leute sind, z.B. ein Café.
    Das Treffen sollte nicht zu Hause bei einem der beiden Chatpartner stattfinden. Als Tageszeit ist der
    Nachmittag besser als der Abend.
  • Alkohol oder andere Drogen sind für ein Blind Date tabu.

  • Lass dir die Telefonnummer von deinem
    Chatpartner geben und rufe ihn oder sie vorher an.
    Wenn du ihn nicht erreichst, sage das Treffen ab.

  • Frage ihn oder sie auch nach seinem
    echten Namen und seiner Adresse.
    Wenn er sie dir nicht geben will,
    verabrede dich nicht.
  • Gib die Telefonnummer, die Adresse und den Namen
    deines Chatpartners und den Ort und die Zeit des Treffens
    an eine Vertrauensperson weiter.
    Teile deinem Chatpartner mit,
    dass du seine Daten weitergegeben hast.
    Nur wenn dein Chatteilnehmer Verständnis
    für diese Regeln hat und sie beachtet,
    ist er vertrauenswürdig.

  • Verabrede mit deiner Vertrauensperson,

    ass du sie nach einer bestimmten Zeit anrufst
    oder dass sie dich anruft.
Quelle:
Mit einem Klick zum nächsten Kick.
Das Buch hat geschrieben:
Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch
an Mädchen und Jungen (Hg.), 2007,
verlag mebes&noack, Köln.

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